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Artikel: Der Garten der Lüste von Hieronymus Bosch: Geschichte und Bedeutung

Der Garten der Lüste von Hieronymus Bosch: Geschichte und Bedeutung

Riesenvögel und Reiter im Wald, Detail aus dem Garten der Lüste von Hieronymus Bosch, als gerahmtes Poster

Riesenvögel und Reiter im Wald, ein Detail der Mitteltafel. Poster von Posterscape.

Der Garten der Lüste ist ein Triptychon, das der niederländische Maler Hieronymus Bosch zwischen etwa 1490 und 1510 in Öl auf Eichenholz malte. Aufgeklappt misst es 205,5 x 384,9 cm. Es hängt im Museo del Prado in Madrid, das es seit 1939 besitzt. Seine drei Tafeln führen vom Paradies links über einen Garten voller nackter Figuren in der Mitte bis zur Hölle rechts. Mehr als fünf Jahrhunderte später ist man sich noch immer nicht einig, was Bosch damit sagen wollte.

Dieser Artikel erzählt die Geschichte des Gemäldes: wer es malte, für wen, wie es von Brüssel nach Madrid kam und wie man seine seltsamsten Details lesen kann.

Der Garten der Lüste auf einen Blick

  • Künstler: Hieronymus Bosch (Jheronimus van Aken, um 1450 bis 1516)
  • Datierung: um 1490 bis 1510 (der Prado nennt 1490 bis 1500)
  • Technik: Öl und Grisaille auf Eichenholztafeln
  • Maße (aufgeklappt): 205,5 x 384,9 cm
  • Standort: Museo del Prado, Madrid
  • Thema: das Paradies, der Garten der irdischen Freuden und die Hölle; auf den geschlossenen Flügeln die Erschaffung der Welt

Wer war Hieronymus Bosch?

Hieronymus Bosch wurde um 1450 als Jheronimus van Aken in 's-Hertogenbosch geboren, einer wohlhabenden Stadt im Herzogtum Brabant, in den heutigen Niederlanden. Er stammte aus einer Malerfamilie und signierte seine Werke mit dem Namen seiner Stadt: „Jheronimus bosch“. Fast sein ganzes Leben verbrachte er dort, und er war Mitglied der Illustren Liebfrauenbruderschaft, einer religiösen Bruderschaft, die ihn mit wohlhabenden Auftraggebern zusammenbrachte. Er starb 1516. Nur rund fünfundzwanzig Gemälde werden ihm heute sicher zugeschrieben, und Der Garten der Lüste ist das größte und ehrgeizigste davon.

Bildnis von Hieronymus Bosch, Jacques Le Boucq zugeschrieben, um 1550

Jacques Le Boucq zugeschrieben, Bildnis des Hieronymus Bosch, um 1550, Kohle und Rötel auf Papier. Bibliothèque municipale, Arras.

Wer gab den Garten der Lüste in Auftrag?

Ein Vertrag ist nicht erhalten. Die erste schriftliche Erwähnung stammt vom 30. Juli 1517, ein Jahr nach Boschs Tod: Antonio de Beatis, Sekretär eines italienischen Kardinals, sah das Triptychon im Palast der Grafen von Nassau in Brüssel und beschrieb ein Bild voller sonderbarer Dinge, mit Männern und Frauen, Vögeln und Tieren aller Art. Historiker bringen den Auftrag deshalb mit dem Haus Nassau in Verbindung: mit Engelbrecht II. von Nassau, der 1504 starb, oder mit seinem Neffen und Erben Heinrich III. Eine Theorie verbindet das Werk mit Heinrichs Hochzeit im Jahr 1503, was zum Thema Liebe und Begehren passen würde. Die Jahresringdatierung zeigt, dass das Eichenholz der Tafeln in den 1460er-Jahren gefällt wurde; älter kann das Werk also nicht sein.

Bildnis Engelbrechts II. von Nassau, Rijksmuseum, Amsterdam

Engelbrecht II. von Nassau (1451 bis 1504), einer der möglichen Auftraggeber. Rijksmuseum, Amsterdam.

Die geschlossenen Flügel: die Erschaffung der Welt

Geschlossen zeigt das Triptychon ein ganz anderes Bild, in Grisaille gemalt, also nur in Abstufungen eines einzigen Tons: eine durchsichtige Kugel, die im Dunkel schwebt, darin die eben erschaffene Erde, noch ohne Menschen und Tiere. Gott erscheint winzig klein in der linken oberen Ecke. Die lateinische Inschrift stammt aus Psalm 33: „Ipse dixit, et facta sunt: ipse mandavit, et creata sunt“ (Er sprach, und es geschah; er gebot, und es wurde erschaffen). Das Öffnen der Flügel war ein Moment der Überraschung: Die stille, einfarbige Welt wich einer Menge leuchtender Figuren.

Die drei Tafeln lesen

Die linke Tafel: das Paradies

Die linke Tafel zeigt den Garten Eden. Gott, mit den Zügen Christi, nimmt Eva am Handgelenk und führt sie Adam zu, der gerade erwacht ist. Um sie herum ist eine ruhige Landschaft voller Tiere, manche echt, wie die Giraffe und der Elefant, die Bosch nur aus Zeichnungen und Reiseberichten kannte, andere erfunden. In der Mitte erhebt sich ein rosa Lebensbrunnen, aus dessen dunkler Öffnung eine kleine Eule herausschaut. Selbst hier kündigen einige Details Unheil an: Eine Katze trägt eine Maus davon, seltsame Wesen kriechen aus einem Teich. Der rosa Brunnen mit seinen Tieren gehört zu den sanftesten Details des ganzen Werks.

Die Mitteltafel: der Garten der Lüste

Die Mitteltafel hat dem Bild seinen heutigen Namen gegeben. Hunderte nackter Männer und Frauen vergnügen sich in einer Landschaft aus Seen und rosa und blauen Türmen. Sie essen riesige Erdbeeren, Kirschen und Trauben, verstecken sich in Muscheln, Glaskugeln und hohlen Früchten und reiten auf Pferden, Einhörnern und Kamelen um einen Teich, in dem Frauen baden. Riesenvögel, viel größer als die Menschen, mischen sich unter die Menge. Niemand arbeitet, niemand nimmt eine richtige Mahlzeit ein, niemand altert. Details wie die Riesenfrüchte und die Badenden zeigen, wie weit Bosch mit Maßstab und Erfindung ging.

Zu Boschs Zeit standen weiche Früchte wie die Erdbeere für süße, aber flüchtige Freuden. Im Spanien des 16. Jahrhunderts hieß das Triptychon sogar „La pintura del madroño“, das Bild vom Erdbeerbaum.

Figuren, die in ein riesiges Ei steigen, Detail der Mitteltafel des Gartens der Lüste

Mitteltafel, Detail: Figuren steigen in ein riesiges Ei.

Die rechte Tafel: die Hölle

Die rechte Tafel, oft „Musikantenhölle“ genannt, spielt bei Nacht. Im Hintergrund brennen Städte, im Vordergrund werden die Sünden des Gartens bestraft. Musikinstrumente werden zu Folterwerkzeugen: Ein Mann ist an eine Harfe gekreuzigt, auf das Hinterteil eines Sünders ist eine Melodie geschrieben. 2014 transkribierte eine Studentin sie, und die „Po-Musik“ der Hölle ging um die Welt. Auf einem Hochstuhl thront ein vogelköpfiges Ungeheuer, oft Höllenfürst genannt, das Sünder verschlingt und in eine Grube fallen lässt. In der Mitte steht der Baummensch, ein bleicher, zerbrochener Körper auf zwei hohlen Stämmen, dessen Gesicht manche Historiker wie Hans Belting als Selbstbildnis Boschs deuten. Daneben will ein als Nonne gekleidetes Schwein einen Mann ein Dokument unterschreiben lassen, ein Seitenhieb auf die Missstände im Klerus.

Was bedeutet der Garten der Lüste?

Bosch hinterließ keine Erklärung, und das Gemälde spaltet die Historiker bis heute. Die verbreitetste Deutung ist moralisch. Von links nach rechts erzählt das Triptychon die Geschichte der Menschheit: die Schöpfung im Paradies, den Fall in ein Leben, das den Freuden des Fleisches hingegeben ist, und schließlich die Strafe in der Hölle. In dieser Lesart ist der mittlere Garten ein falsches Paradies, eine Warnung vor Wollust und vergänglichen Freuden.

Es gibt andere Deutungen. 1947 vermutete der deutsche Kunsthistoriker Wilhelm Fraenger, Bosch habe das Bild für eine ketzerische Sekte gemalt, die Adamiten, die in der Nacktheit Unschuld suchten; diese These gilt heute weitgehend als widerlegt. Hans Belting sah in der Mitteltafel eine Utopie: das Paradies, das die Menschheit gekannt hätte, wenn Adam und Eva nicht gesündigt hätten. Und weil das Gemälde in einem Fürstenpalast hing und nicht in einer Kirche, sehen manche darin ein gelehrtes, mitunter humorvolles Werk, das die Gäste ins Gespräch bringen sollte.

Von Brüssel in den Prado

Nach Heinrich III. von Nassau ging das Gemälde an seinen Sohn René von Chalon und dann an Wilhelm von Oranien. 1568 beschlagnahmte es der Herzog von Alba in Brüssel, während des Aufstands der Niederlande gegen Spanien. Es kam an den Sohn des Herzogs, Fernando de Toledo, und nach dessen Tod erwarb König Philipp II. von Spanien, ein großer Bewunderer Boschs, es 1591 auf einer Versteigerung. 1593 schickte er es in seinen Klosterpalast El Escorial, wo es mehr als drei Jahrhunderte blieb. Der heutige Titel kam erst viel später auf. 1939, nach dem Spanischen Bürgerkrieg, wurde das Triptychon in das Museo del Prado in Madrid gebracht, wo es neben weiteren Werken Boschs hängt, etwa dem Heuwagen und der Tischplatte mit den sieben Todsünden.

Boschs Vermächtnis

Schon kurz nach seinem Tod fand Bosch Nachahmer, und Pieter Bruegel der Ältere griff einige Jahrzehnte später seine Ungeheuer auf. Im 20. Jahrhundert sahen die Surrealisten in ihm einen Vorläufer: Salvador Dalí bewunderte ihn, und die Mischwesen von Max Ernst verdanken ihm viel. 2016, zum 500. Todestag, widmeten ihm seine Heimatstadt 's-Hertogenbosch und der Prado große Ausstellungen. Der Garten der Lüste blieb in Madrid: Der Prado verleiht ihn nicht.

Fragen zum Garten der Lüste

Wer hat den Garten der Lüste gemalt?

Hieronymus Bosch, ein Maler aus 's-Hertogenbosch in den heutigen Niederlanden, malte ihn zwischen etwa 1490 und 1510.

Wo hängt der Garten der Lüste?

Im Museo del Prado in Madrid, das ihn seit 1939 besitzt. Davor befand er sich mehr als drei Jahrhunderte im Kloster El Escorial.

Wie groß ist der Garten der Lüste?

Aufgeklappt misst das Triptychon 205,5 x 384,9 cm. Allein die Mitteltafel ist etwa 186 x 173 cm groß.

Warum heißt das Bild Der Garten der Lüste?

Der Titel stammt nicht von Bosch. Er entstand viel später und bezieht sich auf die Mitteltafel, auf der die Menschen die irdischen Freuden genießen. Im Spanien des 16. Jahrhunderts nannte man es das Bild vom Erdbeerbaum.

Boschs Details für Ihr Zuhause

Aus der Nähe betrachtet ist fast jeder Winkel des Triptychons ein Bild für sich. Bei Posterscape gibt es das vollständige Triptychon und Dutzende seiner Details als Poster vom Garten der Lüste, von den friedlichen Tieren des Paradieses bis zu den Ungeheuern der Hölle.

Poster vom Garten der Lüste von Posterscape

Das vollständige Triptychon „Der Garten der Lüste“ als Poster

Das vollständige Triptychon „Der Garten der Lüste“ als Poster von Posterscape.

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